Anmerkungen und Kommentare zur Gesundheitspolitik


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Anmerkung am 8. Dezember 2010

Langsam wird deutlich, welche Folgen die gesundheitspolitischen Anstrengungen der letzten Jahrzehnte mit sich gebracht haben. Auf dem Land werden die Ärzte knapp. Im Umkreis Fulda ist etwa das Ulstertal betroffen. Dort befürchtet man nach dem Ausscheiden alteingesessener Ärzte im Lauf der nächsten fünf Jahre einen Einbruch in der Krankenversorgung. Lokalpolitiker haben vorgeschlagen, Abhilfe etwa dadurch zu schaffen, dass Krankenhausärzte verpflichtet werden, in den betroffenen Gemeinden Sprechstunden abzuhalten. Frage: wer macht dann während dieser Zeiten die Arbeit im Krankenhaus? Schon jetzt arbeiten in den meisten Abteilungen die Ärzte am Limit! Auch die Krankenkassen machen sich dafür stark, in der Stadt niedergelassene Ärzte aufs Land zu zwingen. Vorsicht: auch das Ausland ist für erfolgreiche Mediziner eine attraktive Alternative. Der junge tüchtige Arzt könnte anstatt nach Tann oder nach Hilders auch ins Berner Oberland oder in Rosamunde Pilchers Heimat in Cornwall umziehen. Wem wäre damit geholfen?


Anmerkung am 1. Februar 2010:

Im Moment hat man nicht den Eindruck, daß die derzeitige Regierung über ein Konzept zur Beseitigung der Mißstände im Gesundheitswesen verfügen würde. Mit einigem Befremden nehmen wir wahr, dass Politiker mit teilweise scharfen Attacken gegenüber den Krankenkassen auf die geplanten Beitragserhöhungen reagieren. Erstaunlich! Die Krankenkassen tun nichts anderes als das, was ihnen im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben von der Politik anheimgestellt wurde: Erhebung von Zusatzbeiträgen, wenn das Geld aus dem Gesundheitsfond nicht reicht. Wenn Sie der Meinung sind, dass hier etwas nicht stimmen kann, lassen Sie sich den Sachverhalt von denen erklären, die ihn gesetzlich verankert haben oder die für seine Verbesserung verantwortlich sind.

Ihre Ansprechpartner sind                                                                                                                          Ihr Mitglied des Bundestags im Wahlkreis Fulda  michael.brand@wk.bundestag.de,                 der Bundesgesundheitsminister philipp.roesler@bundestag.de                                                    und die Bundeskanzlerin angela.merkel@bundestag.de


Anmerkung am 31. Oktober 2009:

Viele Ärztinnen und Ärzte erhoffen für ihre Patienten und für sich eine Wende in der Gesundheitspolitik durch die Bildung einer "schwarz-gelben Koalition". Erstmals ist ein Arzt Gesundheitsminister. Ob die fälligen grundlegenden Reformen für kranke Menschen Gutes bringen, hängt nicht zuletzt davon ab, wie nahe die Politiker am Geschehen sind. Wenn sie die Nöte der Menschen in ihren Wahlkreisen wahrnehmen, werden sie sich auch dafür einsetzen, dass diesen Nöten abgeholfen wird. Deshalb unsere Bitte: lassen Sie Ihre Abgeordneten an Ihrem Leben teilhaben, teilen Sie Ihre Probleme und Wünsche mit!


Milliardenloch im Gesundheitsfonds!

Bericht Fuldaer Zeitung, Oktober 2009:


Unser Kommentar: Es verwundert schon, wenn sich Krankenkassen Geld nehmen für Kranke, die es gar nicht gibt. So etwas wird als "Panne" bezeichnet. Was würde man wohl sagen, wenn so eine "Panne" Ärzten passiert wäre? Bemerkenswert ist auch, dass eine Krankenkasse für jeden AIDS-Kranken 10000 Euro pro Jahr extra kassiert! Davon kommt nur ein Bruchteil an bei denen, die für die Behandlung verantwortlich sind.



Mehr verdienende Ärzte ?

Unser Kommentar: wieder eine reißerische Überschrift, die sich schon im nachfolgenden Text relativiert. Wieso verdienen Ärzte gerade in Berlin ein Drittel mehr? Wieso gibt es in Baden-Württemberg ein Minus? Welche Art von Planwirtschaft entfaltet hier ihre Wirkung? Im Vertrauen: längst haben viele Ärzte an der Basis den Verdacht, daß das angeblich mehr ausgeschüttete Geld nicht bei ihnen ankommt! Wo bleibt es?

Der Autor dieser Seite bekam im 1. Quartal des Jahres 2009 für jede von ihm behandelte (gesetzlich versicherte) Patientin 16,82 € Honorar, egal wie oft sie vorstellig wurde, egal welche Leistungen erbracht wurden (Ausnahmen: Vorsorgeuntersuchungen, Schwangerenbetreuung, Pillenverschreibung).  Seit Oktober 2009 sind es noch 13,12 €, die für die Behandlung einer kranken Patientin für ganze 3 Monate gezahlt werden! Nach unserer Rechnung bedeutet das eine Absenkung des Honorars um etwa 22 Prozent innerhalb von 9 Monaten!

Übrigens: die Funktionärsgehälter der KV-Spitzen, die für Veröffentlichung der og. Zahlen verantwortlich zeichnen, sind mit Summen zwischen 200.000 und 250.000 € vergleichsweise stabil. (Ein Spottgeld im Vergleich zu den Gehältern der Banker, die in unserer Gesellschaft noch weit größeren Schaden angerichtet haben!) Ein niedergelassener Frauenarzt müßte also mehr als 15.000 gesetzlich versicherte kranke Patientinnen pro Jahr behandeln, um in diese Bereiche vorzustoßen: bei 300 Arbeitstagen (also fast ohne Urlaub, auch jeden Samstag) 50 Patientinnen pro Tag. Bei 500 Minuten (fast 8,5 Stunden) täglicher Arbeitszeit stünden dann für jede Patientin 10 Minuten zur Verfügung. Leider laufen die von Werbeanzeigen (Pharmaindustrie, Krankenkassen-Programme) überfrachteten EDV-Programme der Praxiscomputer so langsam, daß fast die Hälfte der Zeit für Dokumentationszwecke verlorengeht. Für Sie würde das bedeuten: bevor ein Ei hart gekocht ist, ist ihr Arztkontakt beendet!



Korrupte Ärzte ?

Aktuelle Meldungen vom 23. Juli 2009 und 24. Juli 2009 (Fuldaer Zeitung):

   

Unser Kommentar:   Gegen knapp 500 Ärzte (und/oder Ärztinnen?) wird also ermittelt. Mehr als 300.000 Ärzte (und Ärztinnen!) sind in Deutschland tätig. Das macht 1 bis 2 "schwarze Schafe" auf 1000 weiße Lämmer. Ob die bezichtigten Schafe denn wirklich auch schwarz sind, wird  erst das Ergebnis der berichteten Ermittlungen zeigen. Ebenfalls am 23. Juli kam eine Radiomeldung auf B 5 Aktuell, in der zitiert wird, daß die Bundesgesundheitministerin sich verbitte, daß in Arztpraxen weiterhin politisiert wird. Mundverbot für diejenigen, die sich um andere sorgen? Maulkorb für Leistungserbringer? Passend dazu behauptet dann eine Zeitungsmeldung vom 24.7., daß "Ärzte" teils "saftige Zuwächse" an Honoraren hätten. Wir versichern Ihnen, daß dies weder uns noch die uns bekannten Facharztkolleginnen und -kollegen veschiedenster Disziplinen betrifft, die an der Patientenversorgung teilnehmen. Im Gegenteil: die Pauschale, für die wir jeden Patienten behandeln, ist seit Beginn des Jahres deutlich gesunken.

Wenn Sie an gesicherten Zahlen mehr interessiert sind als an spektakulären Zeitungsberichten, besuchen Sie die Homepage der Bundesärztekammer unter http://www.baek.de/page.asp?his=3.90


Fahrende Ärzte !

dpa-Meldung vom 13. Juli 2009 (Fuldaer Zeitung):



Unsere Sorge: hoffentlich bekommen Sie nicht am Dienstag eine Mittelohrentzündung, wenn der Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde am Montag schon da war! Unsere Hoffnung: soweit wird es nicht kommen. Die Ministerin wurde im September 2009 abgewählt.


Korrekt beschriebene Ärzte !

Buchtitel                                                                                                                                                     "Der verkaufte Patient" von Renate Hartwig und "Patient in Deutschland" von Gaby Guzek

Zwei Bücher, die klarmachen, in welcher Lage sich Ärzte und Patienten in Deutschland befinden. Sie werden vielleicht sagen: das gibt es doch gar nicht. Unser Urteil: den Büchern liegt eine sehr professionelle Recherche zugrunde, alle Aussagen können wir bestätigen! Näheres zu den Buchtiteln finden Sie in der Rubrik "Buchempfehlungen" auf der Website www.aerzteprotest.org